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Barbaras Blog


Ein Tagebuch kann während einer schweren Krankheit ein guter Begleiter sein. So erlebte es auch Barbara Ochsner, eine Patientin der Lukas Klinik. Als sie an Krebs erkrankte, richtete ihr Mann Hans-Peter (Hanspi) einen Blog ein (so heisst ein Internet-Tagebuch), das ihr helfen sollte, das Erlebte zu verarbeiten und mit Angehörigen und Bekannten in Verbindung zu bleiben. Im Newsletter Lukas Klinik Aktuell Nr 6 haben wir eine gekürzte Fassung abgedruckt; hier der ungekürzte Originaltext.




Barbara Ochsner, 43, kaufmännische Angestellte und Familienfrau, lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Uhwiesen am Rheinfall, ZH. Im September 2008 wurde die Diagnose Brustkrebs gestellt. Nach einer Operation und anschliessender Chemotherapie war sie von zwei Folgeerkrankungen sehr geschwächt und entschied sich für einen stationären Aufenthalt im Mai und Juni 2009 in der Lukas Klinik.

Kontakt: barbara@familyochsner.ch


Sonntag, 24. Mai 2009


Der letzte Moment zum Kofferpacken, ein gemeinsames Mittagessen mit der Familie und nach einer kurzen Pause im Bett ist Hans-Peter mit mir nach Arlesheim gefahren... Ich sah mich satt an der wechselnden Landschaft und freute mich an der Autofahrt. Die Müdigkeit machte das Sitzen bald schwierig. Wir zwei nutzten die Gelegenheit, um uns nach intensiven Familientagen abschliessend auszutauschen, einander zu bestätigen und vertrauend in die nächsten Tage zu sehen.
Das Navigationssystem brachte uns problemlos zur Lukas Klinik in Arlesheim. Sofort sind mir die herrlichen Rosenranken über dem Eingang aufgefallen, welche sich über die ganze Gebäudeseite erstreckten. Ein Traum! Ich habe mich sehr willkommen gefühlt. Auf dem Bett eines heimeligen Zimmers ruhte ich mich aus. Hampi hat mir liebenswürdigerweise den Koffer ausgepackt und sehr schnell abgecheckt, wie es mit Internet, Laptop und Handy hier sein wird, und mich instruiert. Für heute wurde ich kurz über das Wesentliche, den Ablauf des restlichen Tages, informiert. Dann verabschiedete sich mein Schatz von mir. Ich hatte solchen Hunger, dass ich um ein “Zvieri” (Zwischenverpflegung) bat. Bald sass ich vor einem Tablett mit Früchten, Darvidas und Brot mit Butter und Konfi. In der Zeit bis zum Nachtessen lernte ich die Betreuerinnen und Betreuer kennen. Sehr müde legte ich mich an diesem heissen Maitag ins Bett und schlief bald ein. Ich bin an einem schönen Ort gut angekommen.


Montag, 25. Mai 2009
Mit dem Vogelgezwitscher bin ich wieder erwacht und habe die Zeit des anbrechenden Tages vom Bett aus genossen. Nach dem Frühstück, welches in den Zimmern serviert wird, habe ich lesend auf den betreuenden Arzt gewartet. In der ungewohnten Umgebung sowie mit den neuen Eindrücken ist es schnell Zeit fürs Mittagessen geworden. In einem Speisesaal werden das Mittag- und das Nachtessen gemeinsam eingenommen. Dabei knüpfe ich Kontakte, ich lerne neue Menschen kennen, was mir gefällt. Eine gewisse Angst und Unsicherheit gegenüber anderen Krebspatienten überwinde ich. Ich kann interessiert zuhören und ziehe mich auch gerne in mein Zimmer zurück.
Immer wieder stellte sich eine Therapeutin vor, welche ihre Behandlung in einem Wochenplan eintrug. Ich machte mich zwischendurch auf den Weg, um das gesamte Gebäude zu erkunden. Die Stockwerke wechselte ich einmal mit dem Lift, das andere Mal über das Treppenhaus. Zur Orientierung brauchte es meine gesamte Konzentration.
Mein schönes Zimmer ist noch schöner geworden. Ein Strauss mit fünf herrlichen Pfingstrosen hat mich überrascht, als ich vom Nachtessen retour ins Zimmer kam.
Den sonnigen Abend genoss ich bei angenehmer Wärme im Park. Ich habe mich in ein spannendes Buch vertieft.


Dienstag, 26. Mai 1009
Vielleicht war es das Gewitter, welches sich heftig über Basel/Arlesheim entlud, ich habe gar nicht gut geschlafen.
Als froher Morgenmensch habe ich einen Therapietermin sehr bald nach dem Frühstück abgemacht. Erleichert bin ich am richtigen Ort zur richtigen Zeit gewesen. Das gelingt nicht immer, hihihi. Anschliessend hiess es, wieder zurück ins Zimmer finden und nach einer Pause weiter zur nächsten Behandlung los. In dieser kleinen eigenen Welt ist es möglich, für das Wenige, was wir machen, einfach die nötige Zeit zu verwenden. Ja, wir haben alle Zeit der Welt für uns. Massage und andere Körperarbeiten sowie die pflanzlichen und homöopathischen Medikamente, vor allem die Mistel in optimaler Art und Dosis, werden mein Immunsystem stärken und Defizite meines Organismus aufarbeiten. Am Nachmittag war nichts auf meinem Plan eingetragen und weil es wie aus Kübeln regnete, habe ich den Laptop ausgepackt und sass nach langer, langer Zeit wieder einmal am Blog-Schreiben. Und natürlich war ich am Teetrinken, prost! So geht es mir gut. Nach einer halben Stunde konzentriertem Schaffen legte ich mich gerne zum Ausruhen aufs Bett, suchte meine innere Ruhe, beobachtete die Pfingstrosen, wie sie sich entfalten, ihre ganze Schönheit in Form und Farbe mir offenbaren. (Das Erholen dauert länger als eine halbe Stunde.)


Mittwoch, 27. Mai 2009
Schon bin ich mitten in den Therapien. Ich spüre, wie eine gute Wandlung mit mir passiert, wozu ich sehr bereit bin. Durch die vielen Pausen, welche ich unbedingt brauche, gelingt es mir, in mir die heilende Ruhe zu behalten. Die Ruhe, das gute Gefühl, welches mich klar sehen und die Kraft, Zuversicht und Vertrauen spüren lässt, um die Schritte meines Weges zu machen.
Der behandelnde Arzt spritzt mir nun täglich das Iscador. Das Immunsystem wird damit angeregt. Möglich, dass die roten Backen und ein bisschen Wärme davon kommen.
Mit dem Lift bin ich ins Erdgeschoss gefahren und dann habe ich es mir am freien Nachmittag mit einem Buch und einer Thermoskanne goldgelben Tees im Park auf einem Liegestuhl bequem gemacht. Eine Stunde, zwei Stunden, die Zeit vergeht jetzt mit einem total neuen Lebensstil. Durch die körperliche Erschöpfung brauche ich viel Erholung. Ich lache über mich und das Ungewohnte, ich geniesse es, ich denke an früher und an euch alle, welche im Alltag eingebunden seid. Die Gedanken retour und die Gedanken vorwärts irritieren mich. So lasse ich sie sein und komme schnell zurück zu mir auf den Liegestuhl. Ich fange mich wieder und bleibe eine weitere Stunde liegen. Lass meine Augen umherschweifen, um mich all die Herrlichkeiten der Natur, ein Teich, alte kraftvolle Bäume und Bäume mit Misteln, Rosenstauden und ringsherum die Geräusche der nahen Stadt. Nach einem gedanklichen Abschweifen bin ich wieder stark im Jetzt.


Donnerstag, 28. Mai 2009
Bereits zu Hause an Auffahrt habe ich versucht, ein bisschen Frisur in mein kurzes Haar zu bringen. Das heisst, mit Styling Gel oder Mousse die liegenden Haare, welche sich nach vorne richten, pfiffig aufzustellen. Dies ist noch nicht gelungen. Sie scheinen so stur zu sein wie ich manchmal. Aber bei dieser “Länge” ist das Wachstum offensichtlich. Ich habe graue Haare entdeckt! Gerne und oft streiche ich mir über den Kopf, es gibt die sanfte und die widerspenstige Richtung.
Die Brauen und Wimpern zieren seit zwei, drei Wochen mein Gesicht wieder. Schön, diese Kennzeichnungen zurückzubekommen.


Freitag, 29. Mai 2909
Mir passt es sehr, ohne Kalender, Radio/TV und sehr wenig Handy zu sein. Es spielt für mich hier absolut keine Rolle, ich bin eingetaucht in die Mauern der Klinik und diese Lebensart. Vielleicht für euch schwer zu verstehen, mit so wenig Muss und so viel Zeit, meine Tage sind schnell vorbei.
Ich habe im Buch von Martin Suter “Huber spannt aus” und andere Geschichten aus der Business Class zu lesen begonnen. Glücklicherweise ist der Park gross, ich kann schallend lachen, amüsiere mich köstlich, denn ich könnte der Huber sein, hihihi!


Samstag, 30. Mai 2009
Nur eine Therapie ist heute angesetzt. So habe ich mir vorgenommen, etwas Tagebuch am Laptop zu schreiben, meine vielen Eindrücke und neuen Erkenntnisse zu ordnen und niederzulegen. Und das Wichtigste: Ich lege lange Erholungspausen ein. Zum Kraftsammeln in mir kommen zusätzlich die vegetarischen, biologisch-dynamischen Mahlzeiten. Für mich ein wunderschönes kulinarisches Erlebnis, die natürliche Küche in Ergänzung mit den saisonalen Gewürzen und Kräutern. Als Hausfrau geniesse ich es, dreimal täglich, ohne Einkaufen und Küchenarbeit, an einen reich gedeckten Tisch sitzen zu können. Ganz ehrlich, ich spüre allerdings auch Entzugserscheinungen und Lust auf Essen, welches in diesem Speiseplan nie vorkommmen wird. Netterweise hat mir gestern schon eine Patientin, welche in Basel war, meine persönlichen Essenswünsche erfüllen können. Sie hat mir eine Tafel Schokolade mitgebracht.
Während des Mittagessens hat eine “kräftige" Patientin mir ihre Begleitung anerboten. Wir haben uns verabredet, um nach der Mittagspause ins nahe gelegene Zentrum von Arlesheim zu spazieren. Ich kann bei ihr einhaken. Bald gesellt sich ein dritter Patient zu uns, und so finden wir zusammen den Weg ins Café. Ich trinke ein Cola zero mit Zitrone und fühle mich in der sonnigen Gartenwirtschaft wie in den Ferien. Meine neue Kollegin kauft einen Sack Pralinés und so schliesst ein Champagner-Praliné meinen Schlemmergenuss ab. Damit habe ich auch genügend Kraft für den Heimweg. Gut kommen wir in die Klinik zurück. Dieser kleine Ausflug hat mir Spass gemacht. Alle drei gehen gerne aufs Zimmer, zur Ruhe, bis der Gong zum Nachtessen erklingt.


Sonntag, 31. Mai 2009
Alle Betreuenden kommen mit den Worten ins Zimmer: Wissen Sie, dass sie das schönste Zimmer haben? Ich weiss es nicht nur, nein, ich spüre es auch!
Die herzliche, zuvorkommende Pflege, die mir wirklich alle jeden Tag entgegenbringen, berührt mich sehr. Was ich alles an Liebe und Liebes empfange. Dem gebührt mein aufrichtiger Dank.
Hui, am Sonntag hat es nach einem wunderbaren Mittagessen zum Dessert feines Zitronen- und Himbeereis mit frischen Erdbeeren gegeben, sogar eine Rahmverzierung und einen Kaffee. Die verlorenen Kilos mache ich mit diesem Essen wieder wett, mein Appetit ist gut.
Ich habe weiter am Tagebuch geschrieben, Zeitung im Aufenthaltsraum gelesen und verweilte mich im Park. Der Abend kam, fürs Harfen-Flöten-Konzert im Hause war ich zu müde. Ich liess den Tag mit iPod-Musik-Hören ausklingen.


Montag, 1. Juni 2009
Der Pfingstmontag war dieses Jahr auch Hannas Geburtstag. Ich konnte mich auf den Besuch meiner drei Lieben und meiner Mami freuen. Hans-Peter hat sich einen Restaurantvorschlag ausgesucht, welcher sich als geniale Idee bestätigte. Von der Klinik aus fuhren wir über einen Hügel in ein herziges Restaurant mit Sonnenterrasse, Restaurant Gempenturm oberhalb Gempen (http://www.gempenturm.ch/ ). Wir assen ein feines Mittagessen mit Dessert, genossen einander und tauschten die Neuigkeiten aus. Leider bedeckte sich der Himmel immer mehr und es begann ein wenig zu regnen. Vielleicht auch richtig, so haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Dieses Mal fuhr Hans-Peter mit uns über Dornach, wo wir einen Halt einlegten und das Goetheanum besichtigten(http://www.goetheanum.org/). Sehr interessant für mich. Ringsum bestaunten wir auch die Einfamilienhäuser, welche im selben Stil gebaut wurden sowie die Gärten mit den prächtigen Rosenstauden und ganz gluschtig glänzten hier schon die reifen schwarzen Kirschen an den Bäumen. Davids Kommentar: Was ist denn cool, um ein graues Gebäude zu laufen? Hannas Meinung zu den Aquarellbildern Rudolf Steiners: Na ja, sie sind nicht besonders oder gut.
Nach ihrem Abschied freute ich mich an dem wunderschönen Rosenstrauss aus unseren zwei Gärten und an einer Schale mit Erdbeeren aus Uhwiesen. Glücklich bin ich zum Ruhesammeln aufs Bett gelegen. Später hat mir der vegetarische Znacht (Abendessen) in meinem vorübergehenden Daheim auch wieder sehr gut geschmeckt. Ich habe seit langer Zeit wieder einmal herrlich durchgeschlafen.


Dienstag, 2. Juni 2009
Während den letzten Tagen habe ich bemerkt, wie ich mich fallen lassen konnte, ich spürte mich frei, befreit. Die Therapieräume waren über den Sonntagsbetrieb nicht besetzt, so habe ich sie für mich benutzt. Ich bin wieder auf gutem Weg, um gesund zu werden!
Mit diesem körperlichen und mentalen Aufschwung stand ich heute beschwingt auf und nahm gerne an den Therapien teil.
Unter den Patientinnen und Patienten hat sich ein Wechsel vollzogen. Einige sind nach Hause gereist und wir begrüssten neue am Esstisch. Ich habe erfahren, dass es hinter jedem Krankheitsbild auch einen einzigartigen Menschen zu entdecken gibt. So vielfältig und verschieden wir sind, möchten wir alle doch das eine, GESUND werden. Kommt da etwas Solidarität auf, etwas Verbundenheit während der gemeinsam erlebten, intensiven Zeit?


Mittwoch, 3. Juni 2009
Nun, ich habe mich gut ans Nichtstun gewöhnt. Beinahe am Liegestuhl oder am Bett kleben, stundenlang. Die Ruhe finden und Kraft sammeln passiert für mich jetzt im Stillen und Feinen. Beim sonnigen und warmen Wetter geniesse ich weiterhin den Park sowie zwischendurch auch die Abgeschiedenheit des eigenen Zimmers.
Mit der neuen Kollegin bin ich am Nachmittag ins Zentrum spaziert, etwas trinken und dann wieder durch ein malerisches Quartier von Arlesheim in die Klinik retour. Meine Kollegin ist einmal stehen geblieben und hat gestaunt, wie gut ich laufen kann. Ja, auch mir fällt der offensichtliche Unterschied auf. Ich bin von Freude erfüllt.


Donnerstag, 4. Juni 2009
Auch heute strahlte die Sonne von Beginn an. Zwischen dem Frühstück und den Therapien telefonierte ich Hanna, sie hat jeweils am Donnerstag später Schule. Das Gespräch, ihre Stimme, liess mich aufhorchen. Unsere Tochter tönte so froh und lebendig wie schon lange nicht mehr. Ich freute mich innig für sie und als Mami war ich erleichtert. Da der betreuende Arzt zum täglichen Untersuch und Gespräch ins Zimmer kam, musste ich diesen Schwatz frühzeitig beenden. Mit frohem Gesicht verkündete mir der Arzt nach der Begrüssung eine gute Nachricht: Gratulation, die Laborwerte sind erfreulich gestiegen. Das Immunsystem im allgemeinen und was ebenso interessant ist, auch die bestimmten “...-Zyten”, welche für die Krebsabwehr verantwortlich sind, zeigen einen hohen Wert. Welche Freude! In diesem Haus geschehen Wunder.
Wenig später habe ich mich – und auch der Arzt – weiter wundern können. Denn bald nach der Spritze mit derselben Mistelart, aber einer stärkeren Dosis hatte ich eine allergische Reaktion. Nach der sofortigen richtigen Medikamentengabe und einem erholsamen Schlaf habe ich mich einige Zeit später wieder besser gefühlt. Der Hunger wurde stärker und so sass ich heute um drei Uhr im Zimmer vor dem reichhaltigen herrlichen Mittagessen. Ich habe mich weiter in der Geborgenheit des Zimmers aufgehalten. Ich öffnete die Fenster und liess die Sonnenstrahlen und frische Luft zu mir herein, erfreute mich an den zwei schönen Blumensträussen und den lieben Karten und Briefen. Das Zimmer hat ein breites langes Fenstersims, darauf habe ich die schriftlichen Grüsse gestellt, sie präsentieren sich auf diese Art am besten. Einen operativen Eingriff hat meine Mutter gut überstanden, ich habe eben die freudige Nachricht vom Chefarzt empfangen.
Rundum viel Glück.


Freitag, 5. Juni 2009
Ich beginne, mich auf eine dritte Woche in der Lukas Klinik einzustellen. Der Arzt hat mich darauf angesprochen und wird das Nötige veranlassen. Diese Tage werden den guten Anfang der Therapien und Behandlungen abrunden und vervollständigen. Überzeugt schliesse ich mich diesem Entscheid an.
Ohne Mistelspritze habe ich während dem Freitagmorgen an den Therapien teilgenommen. Nachher stand fest, dass ich heute eh Pause hatte (zum Glück, hihihi), dass erst morgen Samstag eine weitere Gabe folgen wird. Das hat mir einen freien Nachmittag beschert und, weil das Wetter noch so schön war, habe ich mich mit der Kollegin zusammengeschlossen. Wir sind zur Ermitage spaziert. Zwanzig Minuten war der Weg dahin, erst durchs malerische Arlesheim und ein bisschen durch ein grünes bewaldetes Tal. Die Ermitage ist ein Kraftort, ein Park mit Felsen, Wasser, Höhlen und parkähnlicher Anlage. Ich habe mich auf einen Teil beschränkt, bin die Treppe durch die Höhle in die Höhe gestiegen und habe mich oben während einer Pause gesammelt und meine Augen umherschweifen lassen. Zurück im Dorf, setzten wir uns in eine Gartenwirtschaft und beobachteten das Treiben um uns. Anschliessend nahmen wir das letzte Stück des Rückweges unter die Füsse.
Nach dem Nachtessen, einem kleinen Schwatz oder Rundgang im Park ziehe ich mich jeweils bald ins Zimmer zurück. Sobald ich im Bett liege, bekomme ich regelmässig eine Fusseinreibung, welche ich gut und lange wirken lasse. Ich lese, telefoniere oder höre iPod. An diesem Abend übermannte mich die Müdigkeit leise, ich konnte das Buch nicht mehr halten, und die Augen fielen mir immer wieder mal zu. So habe ich das Licht gelöscht und bin sanft eingeschlafen.


Samstag, 6. Juni 2009
Ich war noch immer leicht am Schlafen, als mir das Tablett mit dem Morgenessen gebracht wurde. Sollen wir den Rollladen aufmachen oder wollen Sie noch weiter schlafen?, lautete die Frage der Pflegefrau. Entscheidungen in diesem Zustand sind nicht ganz leicht zu treffen. Ok, ich fand, bitte den Rollladen nach oben drehen. Ich kann mich hier verwöhnen lassen. So kuschelte ich mich in die Sommerdecke und setzte mich zu meinem Frühstück an den Tisch. Nachher bin ich gerne unter die Dusche gestanden, habe mich angezogen und bin zu zwei Behandlungen gegangen. Zurück im Zimmer, habe ich mitgeteilt, dass die Mistelspritze vorgenommen werden konnte. Das weitere sorfgältige Vorgehen besteht darin, eine andere Mistelart (Fichte) mit kleiner Dosis beginnend zu spritzen. Ich hatte keinerlei Reaktionen. So dass ich wie immer an den Mittagestisch im Esssaal sitzen konnte.
Der starke Regen trommelte fest an die Fensterscheiben, deshalb werde ich nach der Mittagspause Blogschreiben, und das Tages-Anzeiger-Magazin hat mein Interesse geweckt. Übers Wochenende findet ein ruhiger Ablauf statt, einige Patientinnen und Patienten sind mit Besuch unterwegs. Ich habe mich entschlossen, wenig Kontakte mit "aussen" zu pflegen (Mail/SMS/Telefone/Besuche werde ich nachher wieder aktiv führen), sondern mir hier Zeit und Raum zu geben, um Kraft und Klarheit zu sammeln, mich zu stärken. Wiederum die intensive Woche und persönliche Erkenntisse verarbeiten und abschliessen, um mich den kommenden Tagen zu öffnen.


Sonntag, 7. Juni 2009
Ruhig bin ich diesen Tag angegangen. Erst habe ich das Frühstück genossen, dann Duschen und Ankleiden. Weil es regnerisch und sehr windig war, habe ich mich entschieden, drinnen zu lesen. Auf dem Bett liegend, daneben einen Thermoskrug Tee auf dem Beistellstisch, habe ich mich von der Geschichte fesseln lassen und lang gelesen. Das Mistelpräparat wurde mir in schwacher Dosis gespritzt. Glücklicherweise blieb eine unerwünschte Reaktion aus. Später habe ich im Aufenthaltsraum die aufliegenden Zeitungen durchgeblättert und mit einer Patientin einen Schwatz gehalten.
Hans-Peter hat seinen Besuch aufs Mittagessen angekündigt und so erwartete ich ihn bald. Anschliessend an den besonderen Sonntags-Zmittag (Mittagessen) in der Klinik benötigte ich meine Mittagspause. Später, nach einem kräftigen Regenschauer, fuhr mich Hampi ins Dorfzentrum von Arlesheim. Für ihn war es Zeit, sich auf den Heimweg zu machen, damit er mit den Kindern zusammen Nachtessen konnte. Hanna und David hatten zu Hause das Kochen übernommen.
Ich habe mir den Dom angesehen. Danach lockte mich die spontane Idee, mit dem Tram nach Basel zu fahren. Jetzt, mitten im Nachmittag, wollte ich noch nicht in die Klinik zurück. So bin ich mit dem gelben Tram Nr. 10 bis zum Bahnhofplatz gefahren, habe einen kleinen Rundgang gemacht und dann gemerkt, dass mein Ausflug so genug ist. Ein anderes Mal mehr, dachte ich, löste die neue Fahrkarte und liess mich nach Arlesheim zurück chauffieren. Lesend habe ich die Zeit bis zum Nachtessen verbracht. Auch nachher war es schön, im Zimmer zu lesen.


Montag, 8. Juni 2009
Vom Morgen an fühlte ich mich bedrückt, auch angespannt. Ein unangenehmes Gefühl hing über mir wie der düstere grauschwarz verhangene Himmel. Ich habe die Therapien genossen und ein neues Buch zu lesen begonnen.
Glücklicherweise geht ein solcher Tag einmal vorbei.


Dienstag, 9. Juni 2009
Am Dienstag Morgen reihten sich drei sanfte Therapien aneinander. Der tägliche Arztbesuch hat stattgefunden und so war es bald Zeit für das Mittagessen. Nach der Pause habe ich im Zimmer geschrieben und meine Spannung wuchs, ich ging das erste Mal ins Aquarell-Malen. Eine neue Erfahrung, welche ein interessantes Erlebnis wurde. Mutig habe ich mit Farben und Pinsel experimentiert. Als das weisse Blatt total farbig war, war ich selber über mein Tun und das Bild erstaunt. Ich bin davon müde geworden und habe mich etwas ausgeruht.
Plötzlich hatte ich das Bedürfnis, raus und weg zu gehen. Die frühabendliche Stimmung war fantastisch und als ich das Dorfzentrum von Arlesheim erreichte, wusste ich, wohin ich laufen wollte. Es blieb noch eine Stunde Zeit bis zum Nachtessen, das reichte für einen Besuch des Kraftortes Ermitage, ein natürlich angelegter Park ausserhalb Arlesheims. Zügig schritt ich voran. Um diese Tageszeit waren die Schulreisen und Nachmittagsbesucher wieder zu Hause. Es war herrlich, beinahe alleine durch die kleinen verwunschenen Weglein zu streifen und die Höhlen, Brunnen und anderen mystischen Stellen des Parks zu betrachten und wirken zu lassen. Pünktlich zum Nachtessen war ich zurück. Kraft und Zeit hatten für diesen Ausflug gut gerreicht.


Mittwoch, 10. Juni 2009
Ein ganz normaler Tag in dieser einmaligen, wohltuenden Lukas Klinik: Ruhen, Essen, Therapien, Lesen und Malen.
Die Mistelspritzendosis wurde jeweils täglich erhöht. Eine unerwünschte Reaktion ist ausgeblieben.
Und ich habe die Wochentage vergessen, keine Ahnung ob Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag. Nur noch ungefähr weiss ich, irgendwo in der Mitte der Woche. Deshalb bin ich gegen Abend auch nicht zur Biografiearbeit erschienen, so dass die Therapeutin mich im Park beim Lesen gefunden hat. Spontan habe ich mich für eine halbe Stunde eingelassen und es wurde gut, klar konnte ich eine Analyse zusammenfassen. (Dass ich mit einem Termin falsch lag, hat mich schon noch etwas beschäftigt, hihihi).


Donnerstag, 11. Juni 2009
Wiederum bin ich in den Tagesablauf hier eingetaucht. Es gefällt mir ausgezeichnet. Ich habe ein wenig Gewohnheit und Routine entwickelt und mit den einen oder anderen PatientInnen ist der Spass nicht verloren gegangen. Das Malen hat mich gepackt. Heute habe ich eine "Aufgabe" bekommen. Ich habe begonnen und den ganzen Ablauf mitgemacht. Eindrücklich und aufmerksam habe ich den Prozess auf dem Bild und in mir beobachtet. "Schön" ist mein Bild geworden, es hat mir gefallen ebenso meine neue Arbeitsweise.


Freitag, 12. Juni 2009
Die dritte Woche war wiederum eine gute Woche. Rückblickend denke ich, hatte jede ein persönliches Thema. Ich sehe die jeweilige Veränderung von anfangs der Woche bis an ihr Ende. Während den letzten Tagen rundete ich die Therapieübungen und die erarbeiteten Ideen ab. Eine zusätzliche Woche, welche ich nicht missen möchte.
Mein letzter ganzer Tag hier. Wow, ich werde ihn geniessen und auskosten!
Die Vorfreude aufs Heimgehen wird stärker. Hans-Peter holt mich morgen Samstag ab.


Montag, 15. Juni 2009


Haare? Haare!

Geschrieben von Hans-Peter

Liebe Bloglesende
Seit einiger Zeit ziert eine kleine aber stolze Haarpracht Barbaras Kopf. Gerne zeige ich eine Nahaufnahme der keimenden Pracht. Besonders zu beachten ist die beginnende Tim/Tintin-Tolle am oberen Bildrand.
;-)

Herzlich
Hans-Peter


Sonntag, 21. Juni 2009
Nun bin ich schon eine Woche zu Hause. Der Klinikaufenthalt hat mir sehr gut getan, ein grosser Schritt Richtung Gesund-werden. Doch habe ich jeden Tag aufs neue zu begrüssen, meine Energie einzuteilen. Einmal geht es besser, ein anderes Mal kann ich etwas Geplantes nicht realisieren. Die sommerliche Hitze letzte Woche machte mir zu schaffen. Ich tastete mich mit Langsamkeit und Pausen durch die Tage, übte mich im Geduldigsein, versuchte in den Familienrhythmus zu kommen, mich in einen normalen Alltag einzubringen und meine neu gewonnene Kraft nicht sofort zu verlieren. Das Erlebte wird seine Spuren hinterlassen, die guten Neuerungen/Änderungen gilt es jetzt umzusetzen. Nicht ganz einfach. . . hihihihi.
Ich bin froh um die Unterstützung meiner Mutter, welche uns täglich herrlich bekocht, und die Fahrdienste meiner Freundinnen zu den Arztbesuchen.


Mittwoch, 24. Juni 2009
Liebevolle Begegnungen

Zu Hause vergeht die Zeit schnell, die Informationen und Termine lassen nicht auf sich warten. Sorgfältig, noch ganz spontan begegne ich ihnen. Ich freue mich über meine erlangte Gesundheit, spüre meine mentale Stärke, lache und fühle mich wohl und bald bin ich wieder müde, so dass ich nichts hören/sehen/tun will. Einfach eine Pause machen, ist dann das Richtige.
Hui, habe ich die Erdbeerzeit genossen! Was für ein Glück, dass ich zu Hause bin und immer wieder auf dem Bauernhof frische einkaufen kann. Das Einkaufen im Dorfladen ist rührend. Vor und im Volg finden die vielfältigsten Begegnungen und Gespräche statt. Die Herzlichkeit und Freude von allen über meine Genesung ist allen ins Gesicht geschrieben. Ich freue mich mit und sauge die erleichternde und mitfühlende Stimmung auf. Es tut irrsinnig gut. Auch erfahre ich und meine Lieben eine grosse Hilfsbereitschaft im Dorf. Ich bin überwältigt.
Ich erlebe während Wochen, wie farbige und fantasievolle, kunstvolle und lustige Karten meinen Gang zum Briefkasten aufs liebste belohnen. Auf einer Karte, die ich kürzlich in einem Karton mit selbstgemachten Konfitüren erhielt, stand der treffende Satz: Gesund ist man erst, wenn man wieder alles tun kann, was einem schadet. Gute Besserung!


Mittwoch, 16. September 2009


Ferientage, Alltag, Spezialtag

Die Reise durch die Schweiz bis nach Montana, langsame gemütliche Tage der Zweisamkeit in der herrlichen Bergwelt sowie viel Ruhen haben die letzten Tage für mich schön werden lassen.
Nach der kurzen Abwechslung sind wir gut am Dienstag nach Hause zurückgekehrt. Noch an diesem Abend war eine klärende Aussprache mit Hanna nötig. Einiges Tun unserer Teeny-Tochter können wir Eltern nicht mehr als gut befinden, so dass wir zusammen neue Abmachungen und Strukturen setzten. Von mir aus gesehen, war es nachher allen Beteiligten wohler und die Situation klar (wie lange? – hihihi).
Lange schon habe ich mich auf diesen Tag gefreut. Nicht die Bundesratswahl, sondern eine Kontrolle in der Lukas Klinik machte diesen Mittwoch für mich speziell. Mit meiner Mutter fuhr ich bereits am Morgen mit dem öffentlichen Verkehr via Basel nach Arlesheim. Vom Dorfzentrum aus spazierten wir zum wundersamen Naturpark Ermitage, einem Kraftort. Verwunschene Weglein, naturbelassene Parkstücke, wilde Pflanzen, mehrere Höhlen, Brunnen und zwei Weiher machen diesen Ort einmalig. Gerade zum Mittagessen trafen wir dann in der Klinik ein. Seit meinem Aufenthalt hatte ich viel von den vielfältigen Gemüse- und Getreidespeisen geschwärmt. Das Mittagessen hat mir wieder sehr geschmeckt. Auch meine Mutter war überaus überrascht. Das Wiedersehen mit bekannten Gesichtern aus dem Personal war für beide Seiten freudig. Die Maltherapeutin hat mich in den Arm genommen und als Erstes gefragt: Was haben sie denn gemacht? Ja, ich habe mich verändert. Freudig und voller Stolz bin ich geworden. Die letzten Monate ist meine Heilung stetig vorwärtsgegangen. Zum Jauchzen, ich bin es mir bewusst.
Wegen des aufkommenden Regens sind wir weiter in der Klinik geblieben. Wir haben es uns im Aufenthaltsraum bequem gemacht und uns in der präsentierten Literatur verweilt.
Ein Gespräch beim behandelnden Arzt mit kurzem Rückblick über die Zeit zu Hause, Fragen und schliesslich den guten Wünschen für die kommende Zeit war der Höhepunkt. Ich fühlte mich bestätigt, erleichtert und voller Mut. Anschliessend haben wir zwei Frauen noch den Dom besichtigt, bevor wir den Heimweg antraten. Müde bin ich, von Glück erfüllt, ins warme Bett gekrochen.


 
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| Stand: 20.08.2010 | © 2008 Lukasklinik | Impressum | Drucken |